3.3 10 Watt-PA

1 Vorüberlegungen

Die Entscheidung war nicht einfach. Wie viele Watt passen noch in das TRX-Gehäuse? Netzteil und Kühlkörper brauchen nun mal Platz. Dann die Kernfrage: Welches PA-Konzept? Mal mit den preiswerten Schalt-VMOSFET-Typen IRF510 oder größer versuchen oder doch echte HF-MOSFETs nehmen? Die IRF-MOSFETs lassen sich mit hohen Spannungen um die 30V oder höher betreiben, die allseits beliebten Mitsubishi-HF-MOSFETs vom Typ RDxxHHF1 mit Spannungen zwischen 12 und 15V.

Zunächst ermunterten mich Artikel von Mike Kossor, WA2EBY [1], und vielen anderen im Internet, z.B. [2], in Richtung der IRF-MOSFETs zu überlegen. Gut, sie sind ab 50 Eurocent zu haben. Damit wäre ein plötzlicher Wärmetod beim Testen schon mal zu verkraften. Die Einstellung des Ruhestroms für einen linearen AB-Betrieb über die Gate-Vorspannung (Bias) ist offenbar etwas kritisch. Sind halt Schalttransistoren mit einer gewollt schmalen Spanne zwischen An und Aus. Problem sind aber die hohen Gate-Kapazitäten von 180 pF beim IRF 510 und aufwärts in den Nanofarad-Bereich bei den größeren Typen. Einsatz oberhalb 17m eher fraglich, aber aus Gegentaktendstufen mit 2 x IRF510 lassen sich in den tieferen Bändern je nach Versorgungsspannung 30 bis 40 Watt HF ziehen.

Eine ausführliche Betrachtung zu Schalt-MOSFETs in HF-PA's ist in [9] zu finden. Dort setzt sich XQ6FOD auch kritisch mit der Mittenanzapfung und der unzureichenden magnetischen Kopplung der im Gegentakt beaufschlagten Primärwicklungen des Ausgangstransformators (TR3 in Abb. 3.3.1) auseinander. Seine Schlussfolgerung: Designfehler. Damit steht XQ6FOD allerdings ziemlich einsam auf weiter Flur, was auch Harald, DL2EWN, im Funkamateur 3/2014 eindrucksvoll belegt. Zu belegen versucht, kontert Andreas, DL5CN, mit auf den ersten Blick einleuchtend erscheinenden Argumenten, unterlegt mit Messungen, bedauerlicherweise nur bei einer Frequenz im 80m-Band [11]. Namensvetter Andreas, DL4JAL, bekäftigt das in [12], zumindest für die Ausgangsübertrager mit 1/2+1/2 Wicklung bzw. zwei Röhrchen im Primärkreis. Kann es denn sein, dass Amateure wie Profis unbeirrt einem Konstruktions-fehler aufsitzen nach dem Motto "Haben wir immer schon so gemacht"?

Aufschlussreiche Messungen an verschiedenen PA-Ausführungen, u.a. eines "Wideband push-pull low-power amplifier" ohne die ominöse Drain-Stromzuführung über eine zusätzliche bifilare Speisedrossel,  zeigt Claudio Girardi, IN3ODT, in [10]. Zur Abrundung der Diskussion sei noch der Artikel über eine 5W-PA von Harald, DL2EWN, im Funkamateur 1 und 2/2016 erwähnt. Harald hat hier mit Leistungsfrequenzgängen und IMA-Messungen belegte (!) signifikanten Unterschiede der beiden Varianten mit bzw. ohne Bifilardrossel nicht feststellen können. Allerdings ist hier die Primärwicklung des Ausgangsübertragers mit 2+2 Windungen ausgeführt. Eine weitere  Betrachtung hierzu von DJ1EE ist in [13] zu finden.

Für meine erste PA war mir dann doch sicheres Terrain lieber, und so entschied ich mich für eine kleine PA auf Basis RD16HHF1, die immer noch günstig sind. Erster Ansatz war das Konzept von G6ALU [3], weitere vergleichbare Quellen in [4] bis [8]. Die kommen fast alle als "20W-PA" daher. Nach meinen nachfolgend beschriebenen Erfahrungen geraten die Brötchen doch etwas kleiner. Übereinstimmend mit DJ0ABR und DL4JAL schraube ich den Anspruch auf "10W" herunter, auch wenn es etwas mehr sein kann.

2 Die Schaltung – eine G6ALU-Variation

Mit einer passend zum 100x75 mm-Kühlkörper entworfenen Platine wurde die G6ALU-PA aufgebaut. Warum sagen eigentlich alle "die" PA – heißt doch "der" Power Amplifier?! Egal wie, eine PA geht nicht so leicht von der Hand wie die bisherigen TRX-Module. Der Sinus war ziemlich verbeult, der Frequenzgang enttäuschend und 20 Watt waren auch nicht bei 13,8V mit den von G6ALU angegebenen Ruheströmen heraus zu kitzeln. Kurt, DJ0ABR [4], gab mir schließlich einige Tipps zur Verbesserung. Danke dafür.

Da die Schaltung nun mal aufgebaut war – Treiber mit 2 x RD06HHF1 und Endstufe mit 2 x RD16HHF1, beide also im Gegentakt – wollte ich sehen, was da noch zu machen ist.

10W-PA Schaltung

Abb. 3.3.1: 10W PA Gesamtschaltung.

Um die Ausgangsleistung kontinuierlich einstellen zu können, ist zunächst ein mit P5 über eine Gleichspannung regelbarer PIN-Dioden-Abschwächer vorgesehen, wie er auch im ZF-Verstärker eingesetzt wird. Die Spannungsteilung mit R1 und R2 begrenzt den Regelbereich auf ca. 10 dB.
Änderung vom 14.06.2016: Bei der Untersuchung der gleichartigen PIN-Diodenabschwächer im ZF-Verstärker wurden zusammen mit DC4KU Verbesserungen gefunden, die das Eingangs-SWR mächtig aufhübschen. Erläuterungen im Download.

Der nachfolgende Pi-Abschwächer R8-R10 stellt sowohl eine Grundabschwächung des Eingangssignals als auch eine frequenzglatte 50 Ohm-Anpassung an den Vortreiber sicher. Bei G6ALU waren mir sowohl der merkwürdig dimensionierte Pi-Abschwächer (dort R1-R3, nicht für 50 Ohm ausgelegt) als auch die Vortreiberschaltung mit Q1 nicht ganz geheuer. Der ZTX313 wurde zunächst durch einen 2N2369 ersetzt. Der Collectorstrom von ca. 10 mA erschien mir aber für eine geschätzte Treiber-Ansteuer-leistung von 50 mW zu niedrig. Der Vortreiber wurde daher umdimensioniert (Collectorstrom ca. 35 mA) mit einem BFR96. Auch wurde der Ausgangstransformator wie bei DL4JAL durch eine trifilare Konstruktion ersetzt. Das Eingangs-SWR direkt an der Basis von T4 (ohne Abschwächer) zeigte frequenzabhängig beschämende Werte um die 3. Mit einer abgewandelten Spannungsgegenkopplung – R17 direkt am Collector und einfacher Primärwicklung von TR1 – ergab sich bei einem Wicklungsverhältnis von 6:2 ein Eingangs-SWR von 1,1 zwischen 3 und 30 MHz, bei 1,8 MHz ansteigend auf 1,4. Allerdings zeigte das Scope bei einer Ausgangsamplitude von 70Vss schon leichte Verformungen. Da die Leistungsübertragung beim Vortreiber nicht das zentrale Anliegen ist und zudem die Abschwächer davor für eine Anpassung sorgen (gemessenes Eingangs-SWR ca. 1,06 mit Abschwächer), blieb es dann doch bei der trifilaren Wicklung von TR1 wie in Abb. 3.3.1 gezeigt.

Der Gesamtfrequenzgang und die Kurvenform waren damit natürlich noch nicht im Griff. Es wurden Gegenkopplungen von den Drains zu den Gates sowohl im Treiber als auch in der Endstufe eingefügt. Die Werte wurden experimentell aus der Auswirkung auf den Frequenzgang ermittelt. Zusammen mit der von DJ0ABR vorgeschlagenen Erhöhung der Ruheströme (etwas weniger als bei DJ0ABR, 250 bzw. 500 mA, reichte auch: Treiber je 200 statt 125 mA pro Transistor, Endstufe je 400 statt 250 mA bei G6ALU) sah der Sinus am Ausgang schon gesünder aus.

Schließlich wurde noch mit den Endstufenübertragern experimentiert. Die bei G6ALU angegebenen zweifachen BN43-202 (primär seriell und sekundär parallel geschaltet) werden bei Dauerstrich ziemlich warm. Die Wärmeleistung fehlt dann an der Antenne. Ersatzweise gleich gewickelte BN61-202 heizten sich nicht so stark auf. Also wurde auch der von DJ0ABR favorisierte BN43-3312 (amidon.de, günstiger bei Amtools UK über ebay) versucht. Der bleibt kalt.

Die Aktivierung der PA erfolgt durch die Zuschaltung der Gate-Spannungen über T2/T3. Nach Stabilisierung mit einem 78L08, der auch die Referenzspannung für den PIN-Diodenabschwächer liefert, wird die Gate-Vorspannung von einer 3,9V-Zenerdiode in Serie mit zwei Si-Dioden erzeugt. Da die Durchlassspannung mit ca. -2 mV/K negativ temperaturabhängig ist, bewirken diese beiden Si-Dioden eine gewisse Temperaturkompensation, wenn sie in thermischen Kontakt mit den Endstufentransistoren gebracht werden. Eine Temperaturerhöhung von z.B. 40 °C lässt die Durchlassspannung an den beiden Dioden und damit die Gatevorspannung um 160 mV absinken und wirkt damit einer Leistungserhöhung entgegen.

3 Ausführung

Warnung vorab: Es müssen einige Gewinde in den Kühlkörper gebohrt werden. Das ist nicht jedermanns Sache.

10W-PA Montagehinweise

Abb. 3.3.2: Montageschema

Vor der Bestückung der Platine ist es zweckmäßig, die Bohrungen auf dem Kühlkörper anhand der Bohrlöcher in der Platine anzureißen und anzukörnen. Es sind insgesamt 4 für die Transistoren, weitere 4 an den Ecken der Platine und eine zwischen den Endstufentransistoren für eine Befestigungslasche der beiden Si-Dioden.

Für M3-Schrauben wird mit 2,5 mm vorgebohrt, natürlich mit einem Bohrständer mit Tiefenanschlag. Bohrtiefe bis fast durch die Kühlkörpergrundplatte. Anschließend werden die Bohrlöcher etwas gesenkt. Per Hand mit einem 8 mm-Bohrer geht es auch. Mit M3-Gewindebohrern werden schließlich die Gewinde unter Zusatz eines Tropfen Öls gebohrt (Handgewindebohrer gibt es im Dreiersatz mit einem Ring, zwei Ringen und ohne, genau in dieser Reihenfolge anzuwenden. Maschinenbohrer kombinieren Vor- und Fertigschneiden in einem Bohrer). Dazu wird noch ein Wendeisen gebraucht. Wer noch nie Gewinde gebohrt hat, sollte es vielleicht vorher üben. Ein verwackelt oder schräg angesetzter Gewindebohrer ruiniert entweder das vorgebohrte Gewinde oder bricht gleich ganz ab. Behutsam, mit Gefühl, eindrehen und immer mal wieder eine viertel Umdrehung zurück.

Zum Montieren der Transistoren werden Schrauben M3x12 verwendet. An allen Bohrungen testen, ob und wie weit diese sich hineindrehen lassen. Nach der ganzen Prozedur werden Späne und Ölreste sorgfältig entfernt.

Die Platine ist fast komplett SMD-bestückt, Kondensatoren in der Bauform 0805, teilweise in 1206, Widerstände in 1206. Die 22uH-Drosseln RFC2-5 haben die BF 1210 (LQH3C 22u, reichelt.de), Drosseln in den Versorgungsspannungszuführungen sind auf Ferritperlen gewickelt RFC1: 3x4mm, RFC6/7: 5x5,5 mm, RFC8: FT50-43. Der Collector von T4 bekommt auch eine Ferritperle 3x4 mm verpasst. Die Gegenkopplungswiderstände R27/28 und R31/32 verteilen die Belastung auf jeweils zwei. Parallel zur Primärwicklung von TR3 ist auf der Platine Platz für zwei Kondensatoren zur Frequenzkompensation vorgesehen (in Abb. 1 "270p Mica"). Hier sollten nur hochwertige Typen (Glimmer, Mica, FKP2) mit mindestens 100V Spannungsfestigkeit eingesetzt werden. Viele Autoren blocken den PA-Ausgang (Anschluss 7) mit Kondensatoren ab. Wozu? Ich habe darauf verzichtet. Diverse Bohrlöcher sind für Durchkontaktierungen mit der durchgehenden Platinenunterseite vorgesehen.

Als Ausgangsübertrager des Treibers habe ich den Typ BN43-1502 (z.B. amidon.de) von G6ALU übernommen. Zum Bewickeln beginnt man am besten mit der Sekundärwicklung, dann darüber von der gegenüberliegenden Seite die beiden Primärwicklungen verdrillt. Das Ende einer Wicklung (Punkt in Abb. 1) wird mit dem Anfang der zweiten Wicklung (kein Punkt) verbunden.
Für den Ausgangsübertrager TR3 sollte grundsätzlich Litze verwendet werden. Sie ist gut biegbar und bietet darüber hinaus wegen des Skin-Effekts bessere HF-Eigenschaften. Vorteilhaft ist versilberte Litze mit PTFE-Isolierung. Für die Sekundärwicklung (BN43-3312) wurde AWG20 (0,5 qmm versilbert) verwendet. Die Primärwicklung mit AWG18 (1 qmm versilbert) zeigte allerdings keine sichtbaren Verbesserungen gegenüber verzinntem RG58-Abschirmgeflecht. Hier werden zuerst die beiden Primärwicklungen aufgebracht. Bei Verwendung einer PTFE-Litze nach der ersten Wicklung nahe am Kern etwa 5 mm abisolieren, dort ein Stück Litze anlöten und dann die zweite Wicklung aufbringen. Die Sekundärwicklung wird wieder von der gegenüberliegenden Seite gewickelt.

Nun weiter nach Bestücken und Prüfen den gesamten Platine. Bevor wir die Platine aufsetzen, müssen noch die beiden Si-Dioden auf dem Kühlkörper angebracht werden. Ich habe dazu ein Stück Blech als Lasche gebogen, in der Mitte ein 3mm-Befestigungsloch und an beiden Enden einen Halbkreis zum Andrücken der Dioden auf den Kühlkörper. Die Kathode der in Serie verlöteten Dioden geht mit einer Lötöse an Kühlkörpermasse an der M3-Befestigungsschraube. Die Anode bekommt ein kurzes Stück Litze angelötet zum Durchstecken durch die Platine.

10W-PA Diodenmontage

Abb. 3.3.3: Die montierten Si-Dioden.

Da die Source der RDxxHHF1 mit der Kühlfahne verbunden ist, können die vier Transistoren direkt auf dem Kühlkörper aufliegen. Wenn die drei Beinchen der Transistoren exakt am Ende der Verdickung nach oben gebogen werden (siehe Abb. 3.3.2), passen die Transistoren in die Bohrungen für die drei Beinchen und die Bohrung für die Kühlfahne.

Vorsicht: MOSFETs sind empfindlich gegen elektrostatische Aufladung. Daher vor dem Hantieren immer mit einem Griff an ein Heizungsrohr oder den Schutzkontakt einer Steckdose entladen.

Nachdem die Transistorbeinchen also rechtwinklig nach oben gebogen sind und die Kühlkörpergrundplatte blitzesauber ist, werden die Kühlfahnen der Transistoren dünn (!) mit Wärmeleitpaste versehen und an ihrer richtigen (!) Position mit den drei Beinchen von der Platinenunterseite her in die Bohrungen gesteckt. Dazu liegt die Bestückungsseite unten. Nun den Kühlkörper auflegen und das Ganze umdrehen. Jetzt können die M3x12-Schrauben durchgesteckt werden. Zwischen Platinenunterseite und Kühlfahne kommt ein 3mm hohes Distanzstück. Als Distanzstücke passen M4 Muttern. Diese Schrauben stellen gleichzeitig die leitende Verbindung zwischen Source und Platinenmasse her. Ein dünnes Verzinnen der Bohrungen an der Platinenunterseite kann also nicht schaden. Passt alles? Dann die vier Schrauben festziehen. Nun können die Transistoren und die Litze von den Dioden verlötet werden.

10W-PA bestückte Platine

Abb. 3.3.4: Die auf den Kühlkörper montierte Prototyp-Platine.

Die Gegenkopplungswiderstände und der Kompensationskondensator an der Endstufe sind in Abb. 3.3.4 noch nicht bestückt.

Die FR4-Platine hat nach der Montage der Transistoren ausreichend Halt und ist stabil genug, so dass die Befestigungsschrauben an den Platinenecken auch entfallen können.

4 Einstellungen und Messungen

Nach Überprüfung der Bestückung werden die Trimmer P1 bis P4 gegen den Uhrzeigersinn auf Null Ohm gegen Masse eingestellt. Die PA wird an den Anschlüssen 7 und 8 mit einer 50 Ohm Dummy Load verbunden. Die Grundeinstellung kann am besten mit einem Labornetzgerät mit Stromanzeige (minimal 2 A) vorgenommen werden. Wer ganz vorsichtig sein will, dreht die Spannung langsam auf 13,8V unter Beobachtung der Stromanzeige hoch. Die PA-Aktivierung und damit die Gate-Spannungsversorgung über P1 bis P4 ist mit +UB an Anschluss 2 (+12V TX) eingeschaltet. Bei 13,8V sollte ein Strom von ca. 70 mA angezeigt werden (Vortreiber und 8V-Spannungsregler). Um Fehlmessungen durch Spannungsabfälle an einem ggf. extern eingeschleiften Amperemeter und den Zuleitungen zu umgehen, ist es sinnvoll, die tatsächliche Spannung mit einem DVM an der PA zu messen.

Ruhestromeinstellung

Beginnend mit P1 wird nun im Uhrzeigersinn der Ruhestrom von T6 auf zuzüglich 200 mA, also insgesamt ca. 270 mA eingestellt, nachfolgend mit P2 der Ruhestrom von T5 auf weitere zuzügliche 200 mA. Ebenso wird mit P3 und P4 für die Endstufentransistoren verfahren, jeweils Nettozuwachs 400 mA. Gegebenenfalls ist das Netzgerät auf 13,8V an der PA nachzustellen. Insgesamt werden ca. 1.270 mA angezeigt. Damit ist die Ruhestromeinstellung beendet. Mit den Mehrgangtrimmern ist die Einstellung hinreichend feinfühlig. Insbesondere bei der Einstellung der Endstufentransistoren sollte zügig, d.h. ohne merkliche Erwärmung des Kühlkörpers gearbeitet werden. Notfalls bei zu starker Erwärmung auskühlen lassen und erst dann die Einstellung fortführen.

Funktionstest

Ob die PA tatsächlich funktioniert, lässt sich optimal mit der Dummy Load, einem Scope und dem Netzwerktester überprüfen. NWT über Abschwächer, Größenordnung 15 bis 20 dB, Stufenabschwächer vorteilhaft, an den Anschluss 6 anschließen, Einstellung "VFO" bei niedriger Frequenz, z.B. 1,8 bis 3,5 MHz. Mit Variation des Eingangssignals das Ausgangssignal am Ausgang 7 auf 65 bis 72Vss (Scope mit 10:1 Tastkopf) einstellen. Entspricht 10 bis 13 Weff. Eine Feineinstellung ist mit P5 "HF-Power" möglich. 10W werden bei ca. -10 dBm (=200 mVss) erreicht. Das Ausgangssignal sollte deutliche Ähnlichkeit mit einem Sinus haben. Oberhalb ca. 73 Vss beginnen bei meiner PA Signalverformungen. Begrenzung bei ca. 80Vss entsprechend 16Weff.

10W-Ausgangssignal 3,5 MHz

Abb. 3.3.5: Ausgangssignal 65Vss = 10W an 50 Ohm bei 3,5 MHz.

Beim Dauertest mit 10W Ausgangsleistung an eine Dummyload erwärmte sich der Kühlkörper ohne Zwangsbelüftung mit dem Ventilator auf ca. 48°C bei einer Raumtemperatur von 25°C.

Zur Beurteilung der Signalform ist ein Scope hervorragend geeignet, zur Beurteilung von Frequenzgängen nur mit gesundem Misstrauen – traue keinem Scope über 30 - MHz meine ich. Die angegebenen Bandbreiten lassen mehr vermuten als das Scope tatsächlich anzeigt. Mein Tektronix 60 MHz-Scope hat mich zu Anfang auch mächtig gefoppt. Hier kommt der Netzwerktester ins Spiel.

Nun mit dem NWT in Stellung "Wobbeln" den Frequenzgang aufnehmen. Vorsicht! Der FA-NWT mag keine hohen Eingangsamplituden. "Ordentliche" Dummyloads haben einen -40dB-Messausgang. Das ist die Zapfstelle für den NWT-Messeingang.

Frequenzgang BN43-3312

Abb. 3.3.6: Gesamtfrequenzgang bis 40 MHz bei Aussteuerung 10W (BN43-3312).

Zum Vergleich der Frequenzgang mit 2xBN61-202 aus den Vorversuchen:

Frequenzgang 2xBN61-202

Abb. 3.3.7: Gesamtfrequenzgang bis 40 MHz bei Aussteuerung 10W (2xBN61-202).

Gegenüberstellung der Frequenzgänge (Bezug 0 dB bei 10 MHz)
  Marker 1 (1,8 MHz) Marker 2 (30 MHz)
1 x BN43-3312 -1,11 dB -1,30 dB
2 x BN61-202 -1,87 dB -1,30 dB

Der Frequenzgang ist abhängig von den verwendeten Ausgangsübertragern. Mit den doppelten BN61-202 fällt das Signal zwischen 80 und 160m ab, etwa um 1,9 dB bei 1,8 MHz. Der voluminösere BN43-3312 bleibt um unteren Bereich glatt. Die Platine ist für beide Varianten vorgesehen.

Störte nur noch die Beule bei 10 MHz in Abb. 3.3.6. Experimentiert wurde mit dem Kompensations-kondensator parallel zur Primärwicklung von TR3. 270 pF (Glimmer) erwies sich als optimaler Wert. Zur großen Überraschung verbesserte sich der Frequenzgang am oberen Ende etwas mit Entfernen der Gegenkopplungswiderstände R27/28 und R31/32. Die sind im Mustergerät nicht bestückt. Insgesamt wurde damit eine Welligkeit des Frequenzgangs von 1,3 dB erreicht. Mehr ist wohl nicht drin. So müssen wohl die Bewertungen anderer Autoren, die mit vergleichbaren Ergebnissen zufrieden waren, vorerst besänftigen. Den Grund für die Beule bei 10 MHz habe ich noch nicht gefunden. PA's bauen ist kein einfaches Geschäft. Treffen die kritischen Anmerkungen von XQ6FOD in [9] zu, wird diese PA sicher nicht die letzte sein, an der ich mich versuche. Amateurfunk ist Experimentalfunk.

Selbstredend geht die PA nur mit einem Oberwellenfilter (PA-Tiefpass, Abschnitt 3.6) an die Antenne.
Der Nebenwellenabstand (erste Oberwelle) im CW-Betrieb, gemessen mit dem Spektrumanalysator von DG1KPN, ergab sich zu:

  • -56dBc bei 3,5MHz, 16W
  • -50dBc bei  14MHz, 16W.

Messungen des Intermodulationsabstandes mit einem Spektrumanalysator werden in Abschnitt 3.9 gezeigt.

5  Verbindung zum Antennentuner, TX mute

Bei der bescheidenen Leistung zur Schonung der Relaiskontakte im Antennentuner eigentlich nicht unbedingt nötig, aber sei's drum. Eine TX mute-Vorrichtung wurde doch noch mit dem Umbau des PIN-Diodenabschwächers eingebaut. Sie soll den PA-Pegel auf eine für die ATU-Relais verträgliche Leistung während des Schaltens reduzieren. Schalten die Relais im ATU, liegen +12V an Pin 5 des Sub D-Steckers. Damit kann der PIN-Diodenabschwächer in der PA die abgegebene Leistung reduzieren. Der Einfachheit halber erfolgt das mit einem Umschaltrelais.

TX mute

Abb. 3.3.8: TX mute-Schaltung.

Die Leistungsreduktion kann vom ATU (Anschlusspin 6) oder von einem Handschalter auf der TRX-Frontplatte (Anschlusspin 5) erfolgen. Die reduzierte Leistung wird mit dem 10k-Trimmer eingestellt.

Referenzen

[1]    http://www.golddredgervideo.com/kc0wox/wa2ebyamp/amppart1.pdf
        http://www.golddredgervideo.com/kc0wox/wa2ebyamp/amppart2.pdf
        http://www.we0h.us/Amateur_Radio_stuff/HF-Amps/WA2EBY-IRF-510-HF-Amp/
[2]   http://www.mydarc.de/dk7zb/start1.htm
[3]   http://www.radio-kits.co.uk/radio-related/20W_PA/index.htm
[4]   http://www.dj0abr.de/german/technik/limaSDR/10W_PA.htm
[5]   http://www.andreadrian.de/sdr/Blueberry_SDR_Transceiver.html
[6]   http://www.m0rzf.talktalk.net/RobCentral/Softrock_20W.html
[7]   http://openhpsdr.org/pennywhistle.php
[8]   http://www.dl4jal.eu/picastar_dl4jal/pa10w.html
[9]   XQ6FOD, http://www.ludens.cl/Electron/mosfetamps/amps.html
[10] http://www.qsl.net/in3otd/ham_radio/RF_PAs.html
[11]  http://www.loetlabor-jena.de/lib/exe/fetch.php?media=projekte:betrachtun...
[12]  http://www.qrpforum.de/index.php?page=Thread&threadID=10437
[13)  Konrad Hupfer, DJ1EE, Betrachtungen zu...Leistungsendstufen, UKW-Berichte 2/2016