Frontplattendesign
| Erstellt: DL6GL, 05.08.2025, letzte Änderung |
Ein OM fragte neulich, wie die Frontplatten, etwa hier, beschriftet wurden. Ist eigentlich ganz einfach und sieht doch gleich besser aus.

Abb. 1: 10MHz-GPSDO Frontplatte, erstellt mit CorelDraw.
Das funktioniert allerdings in schwarzer oder dunkler Beschriftung nur mit blanken oder hell lackierten Oberflächen. In der Vor-Computerzeit musste ich mich bei HiFi-Komponenten in obligatorischem Schwarz matt mit weißen Abreibebuchstaben abmühen. Gibt es die überhaupt noch?
Das wird dazu gebraucht:
- Ein Design- bzw. Zeichenprogramm.
Hiermit wird zunächst die maßstäbliche Bohr- und Sägeschablone einschließlich Beschriftungen erstellt, nach der zunächst die Löcher und Ausbrüche in der Frontplatte angefertigt werden.
Im Web gibt es neben käuflichen Programmen wie Abacom FrontDesigner eine Menge kostenfreier Programme oder Demo-Versionen. Ich verwende seit vielen Jahren CorelDraw. - Selbstklebende Transparentfolien für Tintenstrahl- oder Laserdrucker, z.B. von AVERY.
- Den passenden Drucker. Damit ist die Größe i.a. auf DIN A4 beschränkt. Bei größeren Frontplatten bleibt dann womöglich nur, alle Beschriftungen auszudrucken, auszuschneiden und einzeln aufzukleben, soll der Aufwand in Grenzen bleiben. Immer noch ansehnlicher als mit Filzschreiber. Um professionell erstellte Frontplatten geht es hier nicht.
Anwendung
Die Oberfläche der Frontplatte, meist aus Alu, muss wohl zunächst noch etwas aufgehübscht werden. Dazu bieten sich Scheuermilch und ein Topfschwamm an. Damit die Oberfläche mit leichtem Druck in Längsrichtung immer in einer Richtung bearbeiten, bis sich nach wiederholtem Abspülen ein einheitlich sauberer Strich zeigt. Anschließend gründlich abspülen und trocknen. Oberfläche mit einem Tuch und Brennspiritus entfetten.
Ist eine Lackierung mit farblosem oder hellem Lack gewünscht, mit einem Staubbindetuch, gibt es im Baumarkt, auch den letzten Krümel von der Oberfläche wischen. Alternativ mit Druckluft, gibt es auch in Sprühdosen. Die lackierte Frontplatte im Backofen bei ca. 70°C für eine gute halbe Stunde trocknen ("einbrennen"), im ausgeschalteten Backofen abkühlen und für ein paar Tage oder länger aushärten lassen.
Wahlweise Frontplatte blank lassen.
Beschrieben wird hier ein nasses Verfahren, die Klebefolie mit der Möglichkeit von Korrekturen auf die Frontplatte aufzubringen. Es ginge auch trocken. Dann muss aber das erste Ansetzen der Folie an einem Rand der Frontplatte hundertprozentig sitzen. Dazu ist eine exakte Randmarkierung auf der Folie notwendig, die gerade eben noch nicht auf der Frontplatte erscheinen soll. Korrekturmöglichkeiten, wenn die Folie auch nur an einem Rand einmal klebt, gibt es nicht mehr. Es sei denn, abziehen und neu versuchen.
- Die o.g. Bohrschablone wird auf Transparentfolie ausgedruckt.
Kennzeichnungen der Frontplattenecken oder -ränder, sofern sie dort wie in Abb. 1 angelegt waren, werden vorher entfernt. Auch Umrandungen von Ausbrüchen, die von dem einzubauenden Bauteil nicht überdeckt werden. In Abb. 1 ist es der rechteckige Ausbruch für ein Profilinstrument. Es sei denn, die Umrandung wird als breiter Rahmen ausgeführt mit etwas mehr Toleranz beim Ausrichten und späteren Ausschneiden. Die Umrandungen der Löcher werden von den Bauteilen, Schrauben, HF-Buchsen usw., überdeckt.
Die bedruckte Folie zuschneiden, an den Längsseiten mit Zugabe von ca. 5mm, an den beiden anderen Zugabe von mindestens 2cm zur manuellen Hantierung. - Eine Sprühflasche mit etwas destilliertem Wasser und einem Tropfen Spülmittel bereitstellen.
- Die Frontplatte mit zwei Stückchen doppelseitigem Klebeband auf einem passenden Brett fixieren. Fingerabdrücke auf der Oberfläche vermeiden. Ggf. mit einem Tuch und Brennspiritus entfetten und nochmal mit Staubbindetuch oder Druckluft nachbehandeln.
- Die Frontplatte mit der Sprühflasche einsprühen.
- Die Schutzfolie von der Transparentfolie abziehen und mit beiden Händen auf die Frontplatte im Bogen hängend von links nach rechts (für Rechtshänder, sonst eventuell anders herum) glatt auflegen.
- Der Wasserfilm ermöglicht eine exakte Ausrichtung der Folie anhand der Lochmarkierungen.
- Mit einem Rakel, ggf. auch mit einem sauberen Fensterputztuch, die Folie glattstreichen und alle ggf. verbliebenen Luftblasen nach außen befördern. Wenn das nicht so ganz gelingt, Folie wieder bis zu den Blasen hochziehen und mit Rakel/Tuch neu aufdrücken.
Vorsicht bei Tintenstrahlausdrucken: Die Folienoberfläche muss trocken bleiben. - Das Brett mit der Frontplatte weglegen und mindestens 2 Tage ruhen lassen, damit das Wasser ausdünstet und die Folie sicher klebt.
- In der Regel ist anschließend eine zweite unbedruckte Transparentfolie zum Schutz der Beschriftung aufzubringen. Die kann trocken aufgebracht werden, wieder im Bogen hängend von links nach rechts blasenfrei mit einem Rakel, eine Scheckkarte tut's auch. Hilfreich ist es dabei, die Schutzfolie erst mit dem Fortschritt des Aufdrückens abzuziehen.
Auch hier ginge bei Laserausdrucken der ersten Folie das Nassverfahren wie oben. Ist etwas stressfreier.
Wenn ein späteres Abrubbeln der Beschriftung eher unwahrscheinlich erscheint, kann bei einem Laserdruck auf die zweite Folie auch verzichtet werden. Bei einem Tintenstrahldruck besser nicht. - Zum Schluss die Folie mit einem weichen Tuch insbesondere an den Rändern nochmal andrücken und mit einem kleinen Cutter oder einem spitzen Skalpell die überstehenden Ränder und die Aussparungen in der Frontplatte ausschneiden.